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Jason Hickey Comments on Amazon in FAZWeek

H&A Media Contribution – Jason Hickey comments on Amazon HQ2 in Frankfurter Allgemeine Woche

Credit: NYCEDC

 

H & A’s president and CEO, Jason Hickey, shared his expertise regarding Amazon’s HQ2 project in FAZWeek (Frankfurter Allgemeine Woche), a weekly German magazine. Below is the original article in German, as well as, an English version, translated by Google.


Buhlen um Amazon

Der Online-Händler hat einen Städtewettbewerb um seine neue Zentrale losgetreten. Die Kandidaten überbieten sich mit Milliardenangeboten. Lohnt sich das?

Von Winand von Petersdorff und Roland Lindner

Das Empire State Building wechselt nur zu besonderen Anlässen die Farben. Am 18. Oktober erstrahlte der berühmte New Yorker Wolkenkratzer in orange. Nicht etwa wie sonst oft, um ein Sportereignis oder einen Feiertag zu zelebrieren, sondern um sich vor Amazon zu verneigen. Orange ist die Farbe des Pfeiles im Logo des Online-Händlers, und die Beleuchtung war dazu gedacht, um New York in dem vielleicht spektakulärsten Standortwettbewerb ins Gespräch zu bringen, den es je in Amerika gegeben hat. Amazon sucht eine Heimat für eine neue Zentrale, die Bewerbungsfrist dafür lief am Tag nach der Lichtshow am Empire State Building ab.

Die Aktion in New York ist nur ein Beispiel von vielen. Um Amazon anzulocken, scheint amerikanischen Städten derzeit jeder Werbegag recht zu sein. Tucson (Arizona) schickte Vorstandschef Jeff Bezos einen Riesenkaktus, das Wahrzeichen der Region. Birmingham (Alabama) ließ gigantische Amazon-Pakete in der Stadt aufstellen. Der Bürgermeister von Kansas City (Missouri) kaufte 1000 Produkte bei Amazon ein und gab ihnen positive Bewertungen, bei denen nebenbei auch seine Stadt gut wegkam. Ein Vorort von Atlanta (Georgia) versprach sogar, innerhalb seiner Grenzen eine neue Stadt entstehen zu lassen, die Amazons Namen trägt und Bezos zum Bürgermeister hat. Das sind die Gimmicks, mit denen Lokalpolitiker ihren Bürgern zeigen, dass sie nicht tatenlos bleiben beim wichtigsten Ansiedlungsprojekt der Vereinigten Staaten.

Der Online-Händler selbst allerdings hat bei seiner Ausschreibung vor ein paar Wochen klargemacht, dass es ihm um harte Faktoren geht und vor allem um Geld. Er stellte eine ganze Reihe von Anforderungen an seine künftige Heimat, zu “kritischen Entscheidungsfaktoren” erklärte er die sogenannten “Incentives”. Damit sind finanzielle Anreize wie Steuererleichterungen oder kostenlose Grundstücke gemeint, die er sich von den Bewerbern wünscht. Die Ansprüche scheinen sehr hoch zu sein, denn Amazon mutmaßte sogar, dass Kommunen vielleicht ganz neue Gesetze erlassen müssten, um ein wettbewerbsfähiges Incentive-Paket schnüren zu können.

Amazons Standortwahl-Verfahren ist nicht nur ungewöhnlich wegen seiner Dimension: Das zweite Hauptquartier neben Seattle soll einmal 50 000 Menschen mit einem durchschnittlichen Jahresverdienst von mehr als 100 000 Dollar beschäftigen. Ungewöhnlich sei auch, dass Amazon seine Suche öffentlich gemacht habe, sagt Jason Hickey, Chef der Beratungsfirma Hickey & Associates, die Unternehmen in der Standortauswahl berät. Normalerweise suchten Firmen diskret, angesprochene Bürgermeister und Energieversorger müssten Vertraulichkeitserklärungen unterschreiben. Doch Amazon hetzt Städte und Bundesstaaten aufeinander und entfacht auf diese Weise einen Überbietungswettbewerb. Ähnlich praktiziert es laut Hickey aktuell nur der Autokonzern Toyota, der zusammen mit Mazda eine neue Autofabrik errichten will.

Die transparente Auktion sei etwas Neues, sagt der Berater. Und sie funktioniert offenbar bestens. Sie könnten gar nicht anders, als mitzubieten, hätten ihm Bürgermeister und

Regionalpolitiker im Vertrauen gebeichtet, selbst wenn sie keine Chancen hätten, berichtet der Standortexperte. Denn die Öffentlichkeit guckt genau zu. Neben New York haben fast alle großen amerikanischen Metropolen Interesse angemeldet, aber auch entlegenere Regionen wie Alaska machen sich Hoffnung. Selbst das teilautonome amerikanische Territorium Puerto Rico und Kandidaten aus Mexiko sind im Rennen. Insgesamt liegen Amazon nun 238 Angebote vor.

Eine krachende Offerte hat nun der republikanische Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, auf den Tisch gelegt und gleich öffentlich gemacht. Demokratische Politiker standen dabei an seiner Seite. Der Bundesstaat und die als Standort angebotene Stadt Newark bieten Amazon zusammen sieben Milliarden Dollar in Steuernachlässen und anderen Vergünstigungen. Das wäre Rekordniveau. Nur der Flugzeugbauer Boeing hatte vom Bundesstaat Washington mit knapp neun Milliarden Dollar ein etwas gro.zügigeres Paket bekommen und damit ein langwieriges Verfahren bei der Welthandelsorganisation ausgelöst.

Doch ungewöhnlich sind die finanziellen Köder nicht. In der Autoindustrie etwa sind sie schon seit langem an der Tagesordnung, was auch deutsche Hersteller weidlich ausgenutzt haben. Als sich BMW 1994 mit einer Produktionsstätte in Spartanburg (South Carolina) niederließ, gab es 130 Millionen Dollar an Incentives. Daimler bekam für sein drei Jahre später eröffnetes Werk in Tuscaloosa (Alabama) sogar Leistungen im Wert von fast 300 Millionen Dollar. Für die seit 2011 bestehende Fertigung von Volkswagen in Chattanooga (Tennessee) kamen bis heute um die 800 Millionen Dollar aus öffentlichen Kassen. Selbst Gouverneure, die in Wahlkämpfen als Propagandisten der reinen Marktwirtschaft durchs Land ziehen, etwa Scott Walker aus Wisconsin, machen Steuergeld locker, wenn es gilt, ein großes Unternehmen anzuwerben. Walker unterzeichnete Mitte September ein Gesetzespaket, das es dem nördlichen Bundesstaat ermöglicht, der Foxconn aus Taiwan mit einem Steuernachlass von dre Milliarden Dollar entgegenzukommen für eine neue Fabrik für Flachbildschirme, in der zunächst 3000 Menschen, irgendwann aber einmal 13 000 Menschen beschäftigt sein könnten.

Bundesstaaten, Städte und Kommunen haben 2015 rund 45 Milliarden Dollar an Subventionen lockergemacht, um Unternehmen zu halten, abzuwerben oder ihnen die Erweiterungen zu ermöglichen, rechnet eine Studie des Upjohn Institutes vor. Das entspreche immerhin 30 Prozent ihrer Steuereinnahmen, sagt der Züricher Ökonom Ralph Ossa, der den Subventionswettbewerb der amerikanischen Bundesstaaten untersucht hat. Gouverneure befinden sich in einem klassischen Gefangenendilemma. Sie wissen nicht, welche Anstrengungen der konkurrierende Gouverneur unternimmt, um die umworbene Unternehmenszentrale im eigenen Heimatstaat anzusiedeln. Zugleich haben sie gute Gründe, Unternehmensansiedlungen zu subventionieren – allen voran wegen der positiven Ausstrahlungseffekte. Deshalb bieten sie Anreize, selbst wenn sie eigentlich wissen, dass dem gesamten Land am besten gedient wäre, wenn alle Gouverneure Subventionen verweigerten und nur die klassischen Standortfaktoren entscheiden ließen.

Amazon kennt offenbar seine Spieltheorie. Das Unternehmen hat das System der Subventions- Optimierung perfektioniert. Der rasant wachsende Konzern, der ein Verteilzentrum nach dem anderen eröffnet, hat nach Erhebungen der Organisation “Good Jobs First” bei seinen Ansiedlungen schon Finanzhilfen von insgesamt 1,1 Milliarden Dollar in Anspruch genommen. Der Konzern habe vor fünf Jahren sogar eine eigene Abteilung ins Leben gerufen, die Anreizpakete aushandelt. Doch alles hat seine Grenzen. Das Subventionspaket, das Wisconsins Gouverneur Walker für Foxconn geschnürt hat, stößt auf heftige Kritik. Michael Hicks, Ökonomieprofessor aus Indiana, macht die Rechnung auf. Foxconn hat Medienberichten zufolge die Anstellung von 3000 Beschäftigten versprochen, denen der Konzern im Schnitt 54 000 Dollar Lohn im Jahr zahlen will. Rechnet man die Subventionen über die zugesagten fünfzehn Jahre hoch, dann spendet der Bundesstaat dem Konzern laut Hicks Berechnungen für jeden der 3000 Arbeiter 66 000 Dollar im Jahr. “Wisconsin trägt praktisch die Gehaltszahlungen”, schreibt Hicks in einem Zeitungsbeitrag. Die Rechnung wird etwas günstiger für Wisconsin, wenn Foxconn seine Belegschaft aufstockt. Der Bundesstaat leistet sich diese Zuwendungen bei einer Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent.

Im Bundesstaat Washington, Boeings Heimat, sind die Abgeordneten beider Parteien heute schwer verstimmt darüber, dass der Flugzeughersteller nach der Verkündung des 8,7-Milliarden- Dollar-Pakets zur Beschäftigungssicherung und -expansion mehr als 12 000 Mitarbeiter im Bundesstaat entlassen hat. Auch in New Jersey regt sich Widerstand gegen das parteiübergreifende Projekt, Amazon Milliarden zu geben. Denn der Bundesstaat ist fast pleite. Kritiker bemängeln, entgangene Steuereinnahmen schadeten Newarks Schulen und dem öffentlichen Nahverkehr. Dabei will Newark gerade mit der guten Anbindung nach New York punkten.

Nicht jede Stadt macht im Wettrüsten mit öffentlichen Mitteln mit. New York etwa will Amazon angeblich keine Finanzhilfen geben, die über das hinausgehen, was auch andere Unternehmen bekommen. “Wir gewinnen das auf Basis des Talents unserer Arbeiter und der unglaublichen Vielfalt von Industrien in dieser Stadt”, sagt Bürgermeister Bill de Blasio. Die texanische Stadt San Antonio hat sich sogar ganz aus dem Rennen verabschiedet, weil sie nicht bereit ist, Amazon ähnlich gro.zügige Anreize zu bieten wie andere Kommunen. “Blind die Farm herzugeben ist nicht unser Stil”, schrieb Bürgermeister Ron Nirenberg in einem Brief an Jeff Bezos. Der Texaner äußerte sogar den Verdacht, Amazon habe seinen bevorzugten Standort ohnehin schon längst ausgewählt.


Lovers around Amazon (translated by Google)

The online retailer has launched a city competition for its new headquarters. The candidates outdo each other with billions of offers. Is it worth it?

By Winand von Petersdorff and Roland Lindner

The Empire State Building changes color only on special occasions. On October 18, the famous New York skyscraper shown orange. Not as usual to celebrate a sporting event or a holiday, but to bow to Amazon. Orange is the color of the arrow in the online merchant’s logo, and the lighting was meant to bring New York into the most spectacular site competition ever seen in America. Amazon is looking for a home for a new headquarters, the application deadline for the day after the light show at the Empire State Building.

The action in New York is just one example of many. To attract Amazon, American cities seem to be right now every commercial gimmick. Tucson (Arizona) CEO Jeff Bezos sent a giant cactus, the landmark of the region. Birmingham (Alabama) set up gigantic Amazon parcels in the city. The mayor of Kansas City (Missouri) bought 1,000 products on Amazon and gave them positive reviews, in which incidentally, his city came away well. A suburb of Atlanta (Georgia) even promised to create within its borders a new city bearing Amazon’s name and Bezos as mayor. These are the gimmicks used by local politicians to show their citizens that they are not standing idly by the United States’ main settlement project.

The online retailer itself, however, has made it clear in his call a few weeks ago that he is dealing with hard factors and, above all, money. He made a whole series of demands on his future home, to “critical decision factors,” he explained the so-called “incentives”. It means financial incentives, such as tax relief or free land, that he wants from the applicants. The claims seem to be very high, because Amazon even guessed that local governments might have to pass new laws to make a competitive incentive package.

Not only is Amazon’s siting process unusual because of its size, but Seattle’s second headquarters is said to employ 50,000 people with an average annual salary of more than $ 100,000. It is also unusual that Amazon has made its search public, says Jason Hickey, chief consultant Hickey & Associates, which advises companies on site selection. Usually companies were looking discreetly, addressed mayors and utilities would have to sign confidentiality statements. But Amazon is hounding cities and states together, sparking outbidding competition. Similarly, according to Hickey, only the carmaker Toyota, which wants to build a new car factory together with Mazda, is currently practicing it.

The transparent auction is something new, says the consultant. And it seems to work fine. They could not help but bid, mayors and regional politicians would confide in confidence, even if they had no chance, the site expert reports, because the public is watching closely. In addition to New York, almost all major American cities have registered interest, but even more remote regions like Alaska are hopeful. Even the semi-autonomous American territory Puerto Rico and candidates from Mexico are in the race. Overall, Amazon now has 238 offers.

A raging offer has now been laid on the table by the Republican governor of New Jersey, Chris Christie, and immediately made public. Democratic politicians stood by his side. The state and city of Newark offer Amazon a combined $ 7 billion in tax credits and other perks. That would be record level. Only the aircraft manufacturer Boeing had received a slightly larger package from the state of Washington with just under nine billion dollars and thus triggered a lengthy procedure with the World Trade Organization.

But the financial baits are not unusual. In the auto industry, for example, they have long been the order of the day, which German manufacturers have profoundly exploited. When BMW set up a production facility in Spartanburg, South Carolina, in 1994, it had $ 130 million in incentives. Daimler even received services worth almost $ 300 million for its plant in Tuscaloosa, Alabama, which opened three years later. Volkswagen’s production in Chattanooga (Tennessee), which has been in existence since 2011, has so far cost around 800 million dollars in public funds.

Even governors who are campaigning as pure-market propagandists, such as Scott Walker of Wisconsin, are using taxpayers’ money when it comes to recruiting a large corporation. Walker signed a legislative package in mid-September that would allow the northern state to accommodate Foxconn from Taiwan with a tax rebate of $ 3 billion for a new flat panel mill that could initially employ 3,000 people, but eventually reach 13,000.

In 2015, states, cities, and local governments offered around $ 45 billion in subsidies to keep companies off the ground, lure them, or allow them to expand, a study by the Upjohn Institute predicts. That corresponds to at least 30 percent of their tax revenues, says the Zurich economist Ralph Ossa, who has examined the subsidy competition of the US states. Governors are in a classic prisoner’s dilemma. They do not know what efforts the rival governor is making to locate the courted corporate headquarters in their own home country. At the same time, they have good reasons to subsidize corporate settlements – above all because of the positive spillover effects. That’s why they offer incentives, even if they actually know

Amazon obviously knows its game theory. The company has perfected the subsidy optimization system. The rapidly growing group of companies, which opens one distribution center after another, has already claimed a total of $ 1.1 billion from its settlements, according to surveys by the organization “Good Jobs First”. Five years ago, the group even started its own department, which negotiated incentive packages.

But everything has its limits. The subsidy package that Wisconsin’s Governor Walker has put together for Foxconn has met with fierce criticism. Michael Hicks, economics professor from Indiana, opens the bill. According to media reports, Foxconn has promised the employment of 3,000 employees, to whom the group wants to pay an average of $ 54,000 a year in wages. If one extrapolates the subsidies over the promised fifteen years, then the state donates to the enterprise according to Hicks calculations for each of the 3000 workers 66,000 dollars a year. “Wisconsin is actually paying the salaries,” writes Hicks in a newspaper article. The bill will be slightly cheaper for Wisconsin as Foxconn replaces its workforce. The state benefits from these benefits with an unemployment rate of 3.2 percent.

In the state of Washington, Boeing’s hometown, MEPs today are deeply upset that the aircraft manufacturer fired more than 12,000 employees in the state following the $ 8.7 billion job security and expansion package. In New Jersey, there is also opposition to the cross-party project of giving Amazon billions. Because the state is almost broke. Critics complain that escaping tax revenue has damaged Newark’s schools and public transport. Newark wants to score just with the good connection to New York.

Not every city participates in the arms race with public funds. New York, for example, allegedly does not want to give financial support beyond what other companies get. “We are winning on the basis of the talent of our workers and the incredible diversity of industries in this city,” says Mayor Bill de Blasio. The Texan city of San Antonio has even left the race completely because it is not prepared to offer Amazon similar generous incentives as other municipalities. “Blind giving away the farm is not our style,” Mayor Ron Nirenberg wrote in a letter to Jeff Bezos. The Texan even voiced the suspicion that Amazon has already selected its preferred location anyway.

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